Am Eingang des Tempels von Delphi war eine von 3 Inschriften
                    „Erkenne dich selbst“ (gnôthi seautón, γνῶθι σεαυτόν).

Die Bedeutung dieser Inschrift im historischen Kontext ist so zu verstehen, dass die Auflösung individueller Probleme und Fragestellungen durch die Auseinandersetzung mit der eigenen inneren Persönlichkeit gemeint ist. Die Erkenntnis der „Innenwelt“ diente damit als Zugang zum Erkennen der „Außenwelt“. Heutzutage wird Selbsterkenntnis als Vorbedingung gesehen,
                        als Ausgangspunkt aller menschlichen Weisheit.

                                                 „Du bist“ (eî),

richtete sich ursprünglich nicht an einen selbst, sondern ist vielmehr eine Huldigung, die dem Gott Apollon, seiner Größe und Macht, beziehungsweise der Göttlichkeit im Allgemeinen galt. Erst später wurde der Ausspruch als Ausdruck der Erkenntnis und Anerkenntnis der eigenen Existenz des Gläubigen umgedeutet. Modern ausgedrückt: zur zeitlichen und räumlichen Ausdehnung/Grenzenlosigkeit der physischen Welt ist die Existens des Menschen des eigen ICH nichts.

         „Nichts im Übermaß“, „Alles in Maßen“(medèn ágan, μηδὲν ἄγαν)
                        mahnt zur Bescheidenheit im eigenen Tun.

Das rechte Maß steht für eine Grundfigur antiken griechischen Denkens, die neben der platonischen Seinslehre bis zur aristotelischen Tugendethik auch die Musik, die Mathematik, Medizin und viele andere gesellschaftlichen Bereiche erfasste. Diese Richtschnur gilt heute eigentlich für alles, was der Mensch anstellt.

Erkenne Dich selbst/Du bist/Nichts im Übermass